Alles oder Nichts

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Alles oder Nichts

Es ist schon mehr als überfällig, wieder einmal kurz innezuhalten und zurückzuschauen auf die vergangene Zeit. Die letzten Monate waren sehr intensiv. Ich war viel unterwegs, durfte auf und neben der Piste viele neue Erfahrungen sammeln. Doch vor allem habe ich sehr viel über mich selber gelernt.

Im Dezember 2017 gab ich in Kühtai/AUT mein Weltcupdebüt. Unglaublich nervös aber voller Vorfreude stand ich im Riesenslalom und Slalom das erste Mal am Start der ganz Grossen. Von Tag zu Tag fühlte ich mich sicherer auf der eisigen Piste, die Nervosität sank und das Selbstvertrauen stieg. So knackte ich im Riesenslalom mit einem 9. Rang erstmals die Top 10. Zwei Tage später kämpfte ich mich im Slalom sogar auf den 7. Rang vor.

Glücklich über diesen Weltcupstart genoss ich zuerst einmal die Feiertage mit meiner Familie. Doch lange halte ich es zu Hause nicht aus. Spätestens nach ein paar Tagen werde ich wieder unruhig und muss raus auf die Piste.

Zum Glück ging es anfangs Januar endlich los mit unserer Weltcup-Tour. Nach ein paar guten Trainingstagen in Innerkrems/ AUT reisten wir nach Zagreb/ CRO für die Slalomrennen, über Kranjska Gora/ SLO für die Riesenslalomrennen und wieder zurück in die Schweiz nach Veysonnaz, wo beide Disziplinen auf dem Programm standen.

Ich war bereit, wollte allen zeigen was in mir steckt und setzte mich dadurch selber extrem unter Druck, denn das Fernziel Paralympics war doch immer im Hinterkopf. Ich wusste es wird ein harter Kampf werden um Limiten und Selektionskriterien. Doch ich sagte mir selber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Ich hatte nichts zu verlieren.

Meine Sprunggelenksschmerzen vom Trainingssturz in Innerkrems machten mir mehr zu schaffen als ich zugab. Während der Reise nach Kroatien konnte ich zwar mein Fuss gut entlasten, doch ohne Schmerzmittel kam ich nicht in den Skischuh. Trotzdem gelang es mir im Nachtslalom von Zagreb meinen 7. Rang zu bestätigen. (Somit hatte ich eine B-Limite als Selektionsvorschlag) Am nächsten Tag ging ich ein zu grosses Risiko ein und schied aus.

Noch am gleichen Abend reisten wir weiter nach Slowenien. Zum Glück beruhigten sich auch langsam die Sprunggelenksschmerzen. Mit einer Wut im Bauch über den Ausfall im Slalom, war ich mehr als bereit für den Riesenslalom in Kranjska Gora. Ich nahm mir viel vor, wollte auch im Riesenslalom unter die Top 7 fahren.

Doch nach der Besichtigung am ersten Tag musste ich die Startnummer wieder abgeben, mein Trainer hat entschieden mich nicht starten zu lassen. Die Piste war in einem schlechten Zustand. Die Verhältnisse für Einbeiner wie mich, zu gefährlich, die Verletzungsgefahr zu gross. Wütend und enttäuscht war ich also kurze Zeit später wieder zurück im Hotel. Ich hatte grosse Mühe diese Entscheidung und die verpasste Chance zu akzeptieren. Ich war unruhig und die Gedanken drehten sich wieder im Kreis. Was hätte ich für ein Resultat gefahren? Kann ich es noch schaffen? Wieso trauen sie mir die Verhältnisse nicht zu? Bin ich zu schwach? Was, wenn ich am nächsten Tag auch nicht starten darf? Ich brauchte Ablenkung, musste raus, mich bewegen…

Neuer Tag, neues Glück. Die Piste war in einem besseren Zustand. Ich stand am Start, doch die Selbstzweifel aufgrund der Entscheidung vom Vortag holten mich ein, und ich hatte plötzlich Angst mich zu verletzen. Der Start ist kein guter Zeitpunkt für solche Gedanken. Doch ich konnte mich wieder fangen, holte alles aus mir raus und fuhr auf den 8. Schlussrang. Knapp aber trotzdem klar, ich hatte mein Ziel nicht erreicht…

 

Unsere Reise ging zurück in die Schweiz nach Veysonnaz. Je zwei Riesenslalom und Slalom waren geplant. Ich wollte den Heimvorteil nutzen, fühlte mich sehr wohl. Ich wusste ich kann es schaffen! Doch Wind und Schnee stellten uns auf eine Geduldsprobe. Unter diesen Wetterbedingungen konnten keine fairen Wettkämpfe durchgeführt werden. Tagelang tigerte ich im Hotel umher und mit jedem abgesagten Rennen sanken meine Qualifikationschancen für die Paralympics. Wieder wurden mir Möglichkeiten genommen, ohne dass ich was dagegen tun konnte. Der Druck stieg. Ich war nervlich am Ende, versuchte mich irgendwie abzulenken. Doch es gelang mir nicht.

Nach tagelangem ausharren, starteten wir schlussendlich doch noch zu einem Slalom im Neuschnee. Doch der Druck an mich selber war zu gross, ich konnte meine Leistung nicht abrufen. Es reichte mir nur auf den 16. Rang. Traurig und enttäuscht ging meine erste Weltcup-Tour zu Ende.

Eine Woche später hatte ich mich wieder gefangen und der Kampfgeist war wieder geweckt. Im Europacup von Sella Nevea/ITA, durfte ich das erste Mal überhaupt in einem Super-G aufs Podest steigen. Mit zwei Silbermedaillen im Super-G und einer Bronzemedaille im Riesenslalom versuchte ich, die Selektionsverantwortlichen doch noch von mir zu überzeugen. Doch leider vergebens.

Ich habe die Selektionierung für die Paralympics 2018 in Pyeonchang nicht geschafft. Ich habe mein Bestes gegeben, habe bis zuletzt gekämpft. Doch es hat nicht gereicht. Nach ein paar Tagen Distanz, kann ich trotz allem stolz und glücklich auf meine erste Weltcupsaison zurückblicken. Ich bin dankbar für all diese Erfahrungen und Momente, die ich machen und erleben durfte! Es gibt keine Niederlagen, nur Erfahrungen aus denen man lernt und stärker wird!

Liebe Grüsse

Elena