Die Macht einer Sekunde

Elena Kratter Training

Die Macht einer Sekunde

 

Hallo zusammen! Seit meinem letzten Blog sind schon wieder viele Wochen vergangen. Und es ist viel geschehen, sehr viel. – Wie sagt man so schön: Das Leben ist das, was passiert, während du daran bist, andere Pläne zu machen. Dieses Sprichwort beschreibt ziemlich genau meine letzten Wochen.

 

Diesen Sommer habe ich mein komplettes Umfeld gewechselt, umgestellt und optimiert. Immer mit dem Ziel, mich noch besser auf die Ski-Wettkampfsaison vorzubereiten und mit einem freien Kopf meine Bestleistungen abrufen zu können. Der Auszug von Zuhause, der Jobwechsel und das intensivere Training hat alles nach meinen Plänen funktioniert. Ich konnte es kaum erwarten, auch auf der Rennpiste mit Vollgas durchzustarten…

Doch wie  gesagt, es kam alles anders. Auf dem Kaunertaler Gletscher in Österreich wollte ich mir noch ein gutes Trainingsgefühl holen, bevor die Rennsaison in der Skihalle in Holland beginnt. Doch schon am ersten Morgen auf dem Schnee stürzte ich beim Riesenslalomtraining. Soweit ich mich erinnern kann, hat mein rechter Arm im Tor eingehängt und es hat mich zusammengestaucht und verdreht. Auf jeden Fall lag ich plötzlich ein paar Meter weiter unten im Schnee und habe sofort gemerkt, dass meine Wirbelsäule nicht mehr ganz in Ordnung ist.

 

Am liebsten wäre ich aufgestanden und weitergefahren, doch der intensive Schmerz im Lendenwirbelbereich hinderte mich daran, mich überhaupt zu rühren. Dank der schnellen Reaktion meiner Trainer, war ich kurze Zeit später per Schlitten und Helikopter unterwegs ins Krankenhaus in Zams. So langsam dämmerte mir, dass ich die kommenden Tage wahrscheinlich nicht mehr auf der Piste verbringen würde. Während ich im Krankenbett, noch benommen von den Schmerzmitteln, von Untersuchung zu Untersuchung geschoben wurde, liefen in meinem Kopf, wie in einem Film, meine ganzen Pläne für diese Saison ab. Podestplätze erzielen, Weltcuppunkte holen und die Qualifikation für die WM im Januar schaffen. Plötzlich war das alles auf einen Schlag weit weg, ganz weit weg. Gegen den grössten Schmerz hilft kein Schmerzmittel der Welt! Ich wollte weg! Hoffte, dass mich jemand weckt und sagt, alles sei nur ein böser Traum! Der Arzt meinte, ich hatte Glück im Unglück. Dank meinem Rückenpanzer kann ich meine eineinhalb Beine noch bewegen. Denn mit der Diagnose Wirbelbruch ist nicht zu scherzen, dass wusste ich nur zu gut von meinem Beruf und meinen Teamkollegen…

 

Eine Sekunde hat mein komplettes Leben für die nächsten Monate auf den Kopf gestellt. Anstatt an den Saisoneröffnungs-Rennen am Start zu stehen, heisst es nun wieder bei meinen Eltern zuhause, stillliegen und den Rücken zu schonen. Ich brauchte eine gute Woche um das Ganze akzeptieren zu können. Doch nun sehe ich es als Chance. Ich werde zurückkommen und zwar stärker als je zuvor! Mein Wirbel ist zwar gebrochen, doch die Liebe zum Skirennsport nicht! Ich danke meinem Trainer und dem ganzen Team für ihre Unterstützung in dieser Zeit. Es tut gut zu wissen, dass man jemanden im Rücken hat, der einem stärkt!

 

Wenn alles gut läuft, darf ich ab Februar das erste Mal wieder auf den Schnee. Ich freue mich jetzt schon darauf!