Ein harter Endspurt

Die letzte Januarwoche war für mich etwas Besonderes. Im verschneiten Veysonnaz fanden die ersten „Heimrennen“, vier IPCAS-Levelrace statt. Ich freute mich und genoss es sehr, für ein paar Tage dem Abschlussprüfungsstress und den Schulbüchern zu entkommen und mich voll auf die Piste und das Skifahren zu konzentrieren.

Trotz anspruchsvolleren Passagen in der eher langen Piste, fühle ich mich immer sehr wohl in Veysonnaz. Umso grösser war die Freude, als ich im Slalom auf den zweiten Rang fuhr und einen feinen Raclette-Käse als Preis nach Hause nehmen durfte. Gleichzeitig traf ich mit meinen Trainern schweren Herzens wichtige Entscheidungen in Bezug auf den restlichen Verlauf der Saison. Aufgrund der nahenden Lehrabschlussprüfung anfangs April und meinem praktischen Stand in der Technik wegen den vielen Skiabsenzen vom Betrieb, habe ich noch einen grossen Nachholbedarf bei den Vorbereitungen im handwerklichen Bereich. Zusammen mit meinem Lehrmeister bestimmten wir in den letzten Wochen mein Prüfungsstück:  Eine Unterschenkelprothese. Für mich bedeutet das vor allem, dass ich die Gips- und Modelliertechniken noch erlernen und vertiefen muss. Denn mit den Gips legt man den Grundstein für eine ganze Prothese. Da ich die Abschlussprüfung auf jeden Fall bestehen will und muss, bleibt mir im Moment nichts anderes übrig, als die Skitage zu reduzieren und jede freie Minute im Betrieb für die Prüfungsvorbereitung zu nutzen. Aus diesem Grund muss ich auf die nächsten Rennen verzichten und werde erst am Europacupfinale im Riesenslalom und an den Schweizermeisterschaften in Obersaxen Mitte März wieder bei einem internationalen Wettkampf am Start stehen. Mein Skifahrerherz hatte Mühe damit, diesen Schritt zu akzeptieren. Doch mit Vorfreude denke ich schon an die Zeit nach den Prüfungen, wo ich dann umso mehr auf den Pisten anzutreffen sein werde.

One Comment on “Ein harter Endspurt

  1. Hallo Elena

    Zuerst herzliche Gratulation zu Deinem Blog, finde ich sehr gut und inspirierend geschrieben.

    Ich finde es bewundernswert, wie Du Dein Leben meisterst. Praktische Ausbildung und Schule plus Spitzensport in einem so schwierigen Umfeld: Hut ab! Und einfach nicht (nie) aufgeben, auch wenn man wieder einmal in ein Loch fällt. Das kann wirklich nicht jeder.

    Und Deinen Beruf hättest Du ja gar nicht besser treffen können. Ist wirklich sehr spannend. Darf ich fragen, seit wann bist Du Unterschenkel amputiert?

    Ich (49J, m.) hatte Mitte Januar 2016 eine Unterschenkelamputation aufgrund von Durchblutungsstörungen, völlig unerwartet, ohne einen bekannten Risikofaktor. Ich bin ein leidenschaftlicher Breitensportler, v.a. Bike und Skifahren, und ich habe mir als eines der ersten Ziele gesetzt, wieder Sport treiben zu können. Solche Vorbilder wie Du geben mir zusätzlich viel Kraft, diese Ziele auch zu erreichen. Momentan ist Lauftraining angesagt in der Rehaklinik Balgrist, aber auf dem Indoor Fahrrad war ich auch bereits – tolles Gefühl!

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg beim Skirennsport, aber vor allem auch, dass Du die Abschlussprüfung bestehst. Danach hast Du wieder richtig viel Zeit fürs Spörtlen!

    Liebe Grüsse
    Marcel