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Wintersportler werden im Sommer gemacht

Schlussspurt

Nach einem erfolgreichen Europacupfinale in Obersaxen Ende März ging langsam aber sicher nicht nur meine Saison, sondern auch meine Kräfte zu Ende. Rückblickend bin ich mehr als zufrieden. Nach langer Verletzungspause konnte ich mich durch die ganze Saison, Training für Training und Rennen für Rennen steigern. Mit dem 2. Platz in der Europacupgesamtwertung setzte ich meiner ersten Weltcupsaison überhaupt, noch ein Schlusskrönchen auf. Doch wie gesagt, die lange Saison ging nicht ganz spurlos an mir vorbei. So fühlte ich mich an den letzten Renntagen, vor allem mental, ausgelaugt und erschöpft.

Nach dem Finale gönnte ich meinem Körper zuerst einmal 7 Tage Trainingspause. Gleichzeitig benötigte mein Kopf die Zeit, das Geschehene richtig einzuordnen und die Saison verarbeiten zu können.

 

Aufbauen, aufbauen, aufbauen

Doch wie verordnet man einem Bewegungsmenschen wie mir, eine ganze Woche komplette Trainings-Ruhe? Ehrlich gesagt, hielt ich es fast nicht aus; ohne Scherz! Umso grösser war die Vorfreude als ich anfangs April mit meinem neuen Sommer-Trainingsplan starten durfte.

Doch Sommer bedeutet für mich nicht nur konditioneller Aufbau. Neben dem Training bin ich in den Sommermonaten hauptsächlich bei der Arbeit als Orthopädietechnikerin anzutreffen. Die handwerklich technische Arbeit in der Werkstatt und gleichzeitig den menschlichen Kontakten zu unseren Patientinnen und Patienten, sind für mich der perfekte Ausgleich zum Spitzensport. In den schneefreien Monaten arbeite ich möglichst viel über mein Pensum, um in der Wintersaison, wenn ich mit dem Skiteam unterwegs bin, von meinen Überstunden über die Runden zu kommen.

Seit anfangs April bin ich also wortwörtlich am Aufbauen. Konditionell im Training und Überstundenmässig bei der Arbeit. Es fägt!!

An dieser Stelle möchte ich ein riesen Dankeschön meinem Arbeitgeber OrthoTeam AG in Bern aussprechen! Ohne die grosse Flexibilität und das grosszügige Entgegenkommen wäre meine Spitzensport- und Arbeitswelt in diesem Ausmass nicht kombinierbar!

 

Wings for life Run

Neben dreimal die Woche Kraft, Stabilität, Sprünge und Koordination, arbeite ich zwei bis dreimal die Woche an meiner Ausdauer. Meine Sportprothese mit Karbonfeder bietet mir dabei eine grosse Freiheit und neue Trainingsmöglichkeiten. So habe ich mir als erstes Zwischenziel den Wings for life Worldrun gesetzt, welchen ich anfangs Mai mit einer persönlichen Bestmarke von 8,2 Kilometern erfolgreich absolvierte.

 

Erstes Schneetraining

Der Frühling hat erst gerade begonnen, ich bin sehr gut im Konditionsaufbau drin und trotzdem freue ich mich jetzt schon wieder, wenn ich anfangs Juni, zum ersten Mal in der neuen Saison, wieder auf dem Ski und in Val dÌsere trainieren darf!

 

Liebe Grüsse

Elena

 

 

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Alles oder Nichts

Es ist schon mehr als überfällig, wieder einmal kurz innezuhalten und zurückzuschauen auf die vergangene Zeit. Die letzten Monate waren sehr intensiv. Ich war viel unterwegs, durfte auf und neben der Piste viele neue Erfahrungen sammeln. Doch vor allem habe ich sehr viel über mich selber gelernt.

Im Dezember 2017 gab ich in Kühtai/AUT mein Weltcupdebüt. Unglaublich nervös aber voller Vorfreude stand ich im Riesenslalom und Slalom das erste Mal am Start der ganz Grossen. Von Tag zu Tag fühlte ich mich sicherer auf der eisigen Piste, die Nervosität sank und das Selbstvertrauen stieg. So knackte ich im Riesenslalom mit einem 9. Rang erstmals die Top 10. Zwei Tage später kämpfte ich mich im Slalom sogar auf den 7. Rang vor.

Glücklich über diesen Weltcupstart genoss ich zuerst einmal die Feiertage mit meiner Familie. Doch lange halte ich es zu Hause nicht aus. Spätestens nach ein paar Tagen werde ich wieder unruhig und muss raus auf die Piste.

Zum Glück ging es anfangs Januar endlich los mit unserer Weltcup-Tour. Nach ein paar guten Trainingstagen in Innerkrems/ AUT reisten wir nach Zagreb/ CRO für die Slalomrennen, über Kranjska Gora/ SLO für die Riesenslalomrennen und wieder zurück in die Schweiz nach Veysonnaz, wo beide Disziplinen auf dem Programm standen.

Ich war bereit, wollte allen zeigen was in mir steckt und setzte mich dadurch selber extrem unter Druck, denn das Fernziel Paralympics war doch immer im Hinterkopf. Ich wusste es wird ein harter Kampf werden um Limiten und Selektionskriterien. Doch ich sagte mir selber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Ich hatte nichts zu verlieren.

Meine Sprunggelenksschmerzen vom Trainingssturz in Innerkrems machten mir mehr zu schaffen als ich zugab. Während der Reise nach Kroatien konnte ich zwar mein Fuss gut entlasten, doch ohne Schmerzmittel kam ich nicht in den Skischuh. Trotzdem gelang es mir im Nachtslalom von Zagreb meinen 7. Rang zu bestätigen. (Somit hatte ich eine B-Limite als Selektionsvorschlag) Am nächsten Tag ging ich ein zu grosses Risiko ein und schied aus.

Noch am gleichen Abend reisten wir weiter nach Slowenien. Zum Glück beruhigten sich auch langsam die Sprunggelenksschmerzen. Mit einer Wut im Bauch über den Ausfall im Slalom, war ich mehr als bereit für den Riesenslalom in Kranjska Gora. Ich nahm mir viel vor, wollte auch im Riesenslalom unter die Top 7 fahren.

Doch nach der Besichtigung am ersten Tag musste ich die Startnummer wieder abgeben, mein Trainer hat entschieden mich nicht starten zu lassen. Die Piste war in einem schlechten Zustand. Die Verhältnisse für Einbeiner wie mich, zu gefährlich, die Verletzungsgefahr zu gross. Wütend und enttäuscht war ich also kurze Zeit später wieder zurück im Hotel. Ich hatte grosse Mühe diese Entscheidung und die verpasste Chance zu akzeptieren. Ich war unruhig und die Gedanken drehten sich wieder im Kreis. Was hätte ich für ein Resultat gefahren? Kann ich es noch schaffen? Wieso trauen sie mir die Verhältnisse nicht zu? Bin ich zu schwach? Was, wenn ich am nächsten Tag auch nicht starten darf? Ich brauchte Ablenkung, musste raus, mich bewegen…

Neuer Tag, neues Glück. Die Piste war in einem besseren Zustand. Ich stand am Start, doch die Selbstzweifel aufgrund der Entscheidung vom Vortag holten mich ein, und ich hatte plötzlich Angst mich zu verletzen. Der Start ist kein guter Zeitpunkt für solche Gedanken. Doch ich konnte mich wieder fangen, holte alles aus mir raus und fuhr auf den 8. Schlussrang. Knapp aber trotzdem klar, ich hatte mein Ziel nicht erreicht…

 

Unsere Reise ging zurück in die Schweiz nach Veysonnaz. Je zwei Riesenslalom und Slalom waren geplant. Ich wollte den Heimvorteil nutzen, fühlte mich sehr wohl. Ich wusste ich kann es schaffen! Doch Wind und Schnee stellten uns auf eine Geduldsprobe. Unter diesen Wetterbedingungen konnten keine fairen Wettkämpfe durchgeführt werden. Tagelang tigerte ich im Hotel umher und mit jedem abgesagten Rennen sanken meine Qualifikationschancen für die Paralympics. Wieder wurden mir Möglichkeiten genommen, ohne dass ich was dagegen tun konnte. Der Druck stieg. Ich war nervlich am Ende, versuchte mich irgendwie abzulenken. Doch es gelang mir nicht.

Nach tagelangem ausharren, starteten wir schlussendlich doch noch zu einem Slalom im Neuschnee. Doch der Druck an mich selber war zu gross, ich konnte meine Leistung nicht abrufen. Es reichte mir nur auf den 16. Rang. Traurig und enttäuscht ging meine erste Weltcup-Tour zu Ende.

Eine Woche später hatte ich mich wieder gefangen und der Kampfgeist war wieder geweckt. Im Europacup von Sella Nevea/ITA, durfte ich das erste Mal überhaupt in einem Super-G aufs Podest steigen. Mit zwei Silbermedaillen im Super-G und einer Bronzemedaille im Riesenslalom versuchte ich, die Selektionsverantwortlichen doch noch von mir zu überzeugen. Doch leider vergebens.

Ich habe die Selektionierung für die Paralympics 2018 in Pyeonchang nicht geschafft. Ich habe mein Bestes gegeben, habe bis zuletzt gekämpft. Doch es hat nicht gereicht. Nach ein paar Tagen Distanz, kann ich trotz allem stolz und glücklich auf meine erste Weltcupsaison zurückblicken. Ich bin dankbar für all diese Erfahrungen und Momente, die ich machen und erleben durfte! Es gibt keine Niederlagen, nur Erfahrungen aus denen man lernt und stärker wird!

Liebe Grüsse

Elena

 

 

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Trainingsstart auf Schnee in Saas Fee

Nach meiner Rückkehr auf die Rennpiste im April, widmete ich mich nochmals drei intensive Monate dem Konditions- und Aufbautraining neben der Piste. Mein Ziel war es, nach der Verletzung stärker zurückzukommen und das Beste aus der Zeit in der „Sommerpause“ zu machen. Durch das gezielte Stärken meiner Rücken-und Rumpfmuskulatur schütze ich meinen verletzten Wirbelkörper zusätzlich und gewinne so noch mehr Sicherheit und Kontrolle auf dem Ski.

Ende August war es dann endlich soweit und ich durfte das erste Mal wieder nach Saas Fee ins erste Techniktraining der Saison einrücken. Saas Fee ist für mich ein ganz besonderer Ort. Seit ich mich zurückerinnern kann, schleppen wir mit dem Team jeden Herbst unser ganzes Material ins Wallis und starten hier das Training auf Schnee. In die neue Saison zu starten, ohne in Saas Fee die ersten Schwünge zu ziehen, ist für mich unvorstellbar. Jedes Jahr wird das kleine, autofreie Dorf wochenweise mein neues Zuhause. Es herrscht eine spezielle Stimmung, die man kaum beschreiben kann. Wenn wir früh morgens in der 6 Uhr Gondel in völliger Dunkelheit Richtung Gletscher schweben. Es ist eine Mischung aus Vorfreude, Konzentration und Müdigkeit, die in der morgendlichen Stille mit uns durch die Luft schwebt. Doch spätestens, wenn wir pünktlich zum Sonnenaufgang oben ankommen und die ersten Schwünge neben atemberaubendem Bergpanorama ziehen, hat sich jede Minute früh aufstehen gelohnt. Voller Konzentration widme ich mich dann meinem Skitraining und geniesse jeden einzelnen Schwung…

 

Gruss

Elena

 

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Wieder am Start

Seid ihr das letzte Mal etwas von mir gehört habt, ist schon eine ganze Weile her. In den vergangenen Wochen ging ich die letzten, vielleicht auch die wichtigsten Schritte, für meine Rückkehr auf die Skipisten.

 

Der 1. April war für mich ein sehr emotionaler Tag, kein Scherz. Seit meinem Sturz am 5. November habe ich auf diesen Tag hingearbeitet, und endlich war er da. Durch das intensive Rehabilitations-und Konditionstraining hatte ich das Vertrauen in meinen Körper soweit zurückgewonnen, dass ich das erste Mal wieder am Start stehen durfte! Seit über einem Jahr hatte ich keine wettkampfmässigen Rennen mehr gefahren und nun bin ich wieder zurück. Ich reiste mit Absicht schon einen Tag früher an die Schweizermeisterschaften nach Veysonnaz. So blieb mir genügend Zeit, mich mit der emotionalen Situation zurechtzufinden und mich auf die Rennen einzustimmen. Schon alleine meinen Namen auf der Startliste stehen zu sehen und eine Startnummer zu erhalten, war ein unbeschreibliches Gefühl. Unglaublich nervös, nach einer fast schlaflosen Nacht, versuchte ich mich am Start abzulenken. Wieder und wieder ging ich meine Startrituale durch. Ich war bereit und konnte keine Minute mehr länger warten. Ich wollte starten. Piep,piep,piep,piiiiiiiieeeeeeeep- und weg war ich.

 

Ich muss gestrahlt haben wie ein Honigkuchenpferd. Als ich mit einer riesen Genugtuung, durchströmt mit Adrenalin pur und dem Gefühl, mein Bestes gegeben zu haben, über die Ziellinie fuhr. Der ganze Druck, den ich mir selber aufgelegt hatte, fiel plötzlich von mir ab. Und gleichzeitig war da eine grosse Erleichterung, dass ich wieder schmerzfrei fahren kann. Für diesen Moment habe ich die letzten Monate gekämpft und für diese Momente liebe ich den Skirennsport!

 

Ich danke euch allen für die Unterstützung in dieser Zeit und freue mich jetzt schon auf die neue Saison!

 

Gruss Elena

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Zurück auf dem Schnee!

 

Mit regelmässigem und systematischem Aufbautraining stärkte ich nicht nur meine Rückenverletzung, sondern bekam langsam aber sicher auch wieder das Vertrauen in meinen Körper zurück. Die Schmerzen wurden immer weniger und die verlorengegangenen Kilos baute ich mit Muskelmasse wieder auf. Dank den grossen Rehabilitations-Fortschritten im neuen Jahr, setzte ich mir den 11. Februar als grosses Zwischenziel. Es war endlich soweit, mein erster Tag zurück auf dem Ski! – Vor lauter Vorfreude zählte ich schon Wochen vorher die Tage…

 

Als ich im vollbepackten Auto Richtung Skigebiet fuhr, versuchte ich ohne grosse Erwartungen diesen Tag auf mich zukommen zu lassen. Ich musste Geduld haben mit mir und mir selber keinen zu grossen Druck machen. Das hat mich diese ganze Verletzungszeit gelernt. Das schmerzfreie Aufbautraining gab mir die nötige Sicherheit und das Vertrauen, mich auf diesen Moment auf dem Ski zu freuen. Doch ein Restrisiko ist immer vorhanden. Die Belastung für meine Rücken, einbeinig auf dem Ski, ist nicht zu unterschätzen.

Genau 98 Tage nach dem Unfall, stieg ich mit meinem Skischuh wieder in die Bindung und zog die ersten Schwünge in den Schnee… Dieser Moment war unbeschreiblich und wird mir immer in Erinnerung bleiben! Als ich kurz am Pistenrand stoppte, fehlten mir die Worte. Das Gefühl auf dem Ski war, als hätte es all diese Tage nicht gegeben. Ohne Schmerzen konnte ich mich voll und ganz auf das Skifahren konzentrieren und diesen besonderen Tag einfach nur geniessen!

 

Ein grosser und sehr wichtiger Schritt auf dem langen Weg zurück habe ich damit geschafft. Von nun an bin ich wieder in jeder freien Minute auf der Skipiste anzutreffen. Immer auf der Suche nach dem perfekten Schwung, um möglichst bald mein nächstes Ziel in Angriff zu nehmen….

 

Ich danke euch allen für die grosse Unterstützung auf dem Weg zurück!

 

Grüsse

Elena

 

 

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#comebackstronger

Es geht wieder aufwärts! Dieses Fazit des Dezembers überragt alle körperlichen und emotionalen Hochs und Tiefs der letzten Wochen nach meinem Wirbelbruch.

Wenn ich an die ersten 4 Wochen Flachliegen zurückdenke, bin ich nun froh, schon einen grossen Schritt weiter zu sein! Ich brauche ein Ziel, einen Plan und vor allem wieder eine Aufgabe. Das wurde mir nach kurzer Zeit herumliegen klar. Ich liebe Herausforderungen und das Gefühl, sie gemeistert zu haben. Mit dieser Einstellung akzeptierte ich meinen „kleinen Zwischenhalt“ und begann, mir neue Zwischenziele zu setzen. Mit Hilfe leichter Mobilisationsübungen und Mentaltrainingseinheiten strukturierte ich meine Tage Schritt für Schritt. Bereits nach kurzer Zeit bemerkte ich kleine Fortschritte. Dinge wie Autofahren wurden für mich zu grossen Zwischensiegen. Oder als ich das erste Mal wieder auf dem Rad „auf der Rolle“ sass. Anfangs nur kurze 10 Minuten bis mich der Schmerz einholte, doch Tag für Tag steigerte ich die Einheiten um 5-7 Minuten, so dass ich bald eine Stunde ohne Schmerzen schaffte. Jupii!!

 

Nach den ersten 4 Wochen stand das erste Kontrollröntgen auf dem Programm. Ich war nervös, wie am Start vor einem Rennen. Wenn alles gut aussieht, darf ich wieder in meinen Alltag zurückkehren, wieder nach Hause und zur Arbeit gehen. Doch hat sich der Wirbel stabilisiert? Oder habe ich zu viel gemacht in den letzten Tagen? Hätte ich besser auf die Schmerzen hören sollen?

 

Nein, alles verlief gut, so dass ich zwei Tage später endlich wieder auf dem Weg nach Hause war. Im Gepäck, das Arztzeugnis mit der Arbeitserlaubnis für ein kleines Pensum.

Das ist nun schon wieder 3 Wochen her. Wie ihr euch wahrscheinlich denken könnt, versuche ich nun auch zurück im Alltag ständig meine Leistungsgrenze zu verschieben. Dank Physiotherapie und einem individuellen Aufbautrainingsplan, stärke ich nicht nur meine Muskulatur, sondern auch das Vertrauen in meinen Rücken!

In dem Sinne wünsche ich euch allen viel Glück, Gesundheit und viel Schnee im Jahr 2017!

 

Gruss

Elena

 

 

Elena Kratter Training

Die Macht einer Sekunde

 

Hallo zusammen! Seit meinem letzten Blog sind schon wieder viele Wochen vergangen. Und es ist viel geschehen, sehr viel. – Wie sagt man so schön: Das Leben ist das, was passiert, während du daran bist, andere Pläne zu machen. Dieses Sprichwort beschreibt ziemlich genau meine letzten Wochen.

 

Diesen Sommer habe ich mein komplettes Umfeld gewechselt, umgestellt und optimiert. Immer mit dem Ziel, mich noch besser auf die Ski-Wettkampfsaison vorzubereiten und mit einem freien Kopf meine Bestleistungen abrufen zu können. Der Auszug von Zuhause, der Jobwechsel und das intensivere Training hat alles nach meinen Plänen funktioniert. Ich konnte es kaum erwarten, auch auf der Rennpiste mit Vollgas durchzustarten…

Doch wie  gesagt, es kam alles anders. Auf dem Kaunertaler Gletscher in Österreich wollte ich mir noch ein gutes Trainingsgefühl holen, bevor die Rennsaison in der Skihalle in Holland beginnt. Doch schon am ersten Morgen auf dem Schnee stürzte ich beim Riesenslalomtraining. Soweit ich mich erinnern kann, hat mein rechter Arm im Tor eingehängt und es hat mich zusammengestaucht und verdreht. Auf jeden Fall lag ich plötzlich ein paar Meter weiter unten im Schnee und habe sofort gemerkt, dass meine Wirbelsäule nicht mehr ganz in Ordnung ist.

 

Am liebsten wäre ich aufgestanden und weitergefahren, doch der intensive Schmerz im Lendenwirbelbereich hinderte mich daran, mich überhaupt zu rühren. Dank der schnellen Reaktion meiner Trainer, war ich kurze Zeit später per Schlitten und Helikopter unterwegs ins Krankenhaus in Zams. So langsam dämmerte mir, dass ich die kommenden Tage wahrscheinlich nicht mehr auf der Piste verbringen würde. Während ich im Krankenbett, noch benommen von den Schmerzmitteln, von Untersuchung zu Untersuchung geschoben wurde, liefen in meinem Kopf, wie in einem Film, meine ganzen Pläne für diese Saison ab. Podestplätze erzielen, Weltcuppunkte holen und die Qualifikation für die WM im Januar schaffen. Plötzlich war das alles auf einen Schlag weit weg, ganz weit weg. Gegen den grössten Schmerz hilft kein Schmerzmittel der Welt! Ich wollte weg! Hoffte, dass mich jemand weckt und sagt, alles sei nur ein böser Traum! Der Arzt meinte, ich hatte Glück im Unglück. Dank meinem Rückenpanzer kann ich meine eineinhalb Beine noch bewegen. Denn mit der Diagnose Wirbelbruch ist nicht zu scherzen, dass wusste ich nur zu gut von meinem Beruf und meinen Teamkollegen…

 

Eine Sekunde hat mein komplettes Leben für die nächsten Monate auf den Kopf gestellt. Anstatt an den Saisoneröffnungs-Rennen am Start zu stehen, heisst es nun wieder bei meinen Eltern zuhause, stillliegen und den Rücken zu schonen. Ich brauchte eine gute Woche um das Ganze akzeptieren zu können. Doch nun sehe ich es als Chance. Ich werde zurückkommen und zwar stärker als je zuvor! Mein Wirbel ist zwar gebrochen, doch die Liebe zum Skirennsport nicht! Ich danke meinem Trainer und dem ganzen Team für ihre Unterstützung in dieser Zeit. Es tut gut zu wissen, dass man jemanden im Rücken hat, der einem stärkt!

 

Wenn alles gut läuft, darf ich ab Februar das erste Mal wieder auf den Schnee. Ich freue mich jetzt schon darauf!

Elena Kratter Training

Startklar!

In der letzten August Woche war es endlich soweit und mein Sommer war vorbei.

Nicht dass ich was gegen heisse Temperaturen und Ferienstimmung habe. Doch gegen das Gefühl, vor Sonnenaufgang in der Gondel Richtung Gletscher zu schweben, kommt kein Sommertag an. Der erste Schneetag nach der kurzen Sommerpause ist für mich immer was ganz Besonderes. Noch ganz ruhig und mit müden Augen steigt man in Saas Fee unten in die Bahn ein. Doch wenn man oben auf dem Gletscher in die Bindung steigt und bei einem wunderschönen Sonnenaufgang, auf perfekt präparierten Pisten die ersten Schwünge zieht, bläst das Adrenalin die ganze Müdigkeit weg. Freiheit pur!

Doch nicht nur auf dem Schnee bin ich in die neue Saison gestartet. Noch beflügelt vom Techniktraining auf dem Schnee absolvierte ich wenige Tage später erneut einen wichtigen Punkt auf meiner „to-do Liste“ , die Autoprüfung. Nun hat das ständige Gepäckschleppen im ÖV ein Ende, und ich kann selbstständig von Training zu Training oder Wettkämpfen fahren. Eine kleine Sache mit grosser Wirkung.

 

Auch bei einem weiteren Punkt stehe ich vor einem ziemlichen Neuanfang. Vor kurzem bin ich nämlich als Wochenaufenthalter in unsere Hauptstadt gezogen und beruflich in einem neuen Betrieb gestartet.

 

Ihr seht, es ist einiges gelaufen in letzter Zeit und geht vorwärts. Auf, wie auch neben der Piste.

Nun freue ich mich auf eine erfolgreiche Saison und in wenigen Tagen auf das Slalomtrainingslager in der Skihalle in Holland.

Ich bin startklar!

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Ein gelungener Abschluss

Puhh! In den letzten Wochen und Monaten lief wieder einiges…

Angefangen hat alles bei der technischen Abschlussprüfung anfangs April. Ich war schon sehr erleichtert, als dieser Teil durch war. Doch nach der Prüfung ist vor der Prüfung, und die schriftlichen Abschlussprüfungen kamen immer näher. Um den enormen Haufen an Schulstoff in meinen Kopf zu bringen, legte ich anfangs Juni eine intensiv Lernwoche ein. Das bedeutet, dass ich eine Woche lang Ferientage nahm und mich zuhause diszipliniert mindestens 8 Std. pro Tag vor meine Schulsachen setzte. Mein Kopf platzte fast, doch die Angst, unvorbereitet zu sein, war grösser.

Eine Woche später war es dann endlich soweit: Am Montag absolvierte ich die Allgemeinbildungsprüfung. Im Nachhinein gesehen war diese Prüfung ein harter Brocken – nicht schulisch oder inhaltlich, sondern zeitmässig. Der Zeitdruck war so gross, dass ich nicht alle Aufgaben ausfüllen konnte. Natürlich war ich danach wieder wütend und frustriert auf mich selber. Doch ändern konnte ich es nicht mehr. Nach Information unserer Allgemeinbildungslehrerin hatten auch andere Schüler mit der Zeit zu kämpfen. Ein sehr kleiner Trost.

 

Zwei Tage später galt es, den Kopf frei zu bekommen und mit dem Geschehenen abzuschliessen. Am Mittwoch erwartete uns der restliche Teil der Abschlussprüfungen. Die Berufskunde mit Orthetik, Prothetik und Rehatechnik sowie Anatomie und Pathologie.

Diese Prüfungen waren so, wie ich es erwartet hatte – oder sogar einfacher. Ich hatte also keine Mühe, auch zeitmässig nicht.

Die restlichen Tage der Woche verbrachte ich wieder im Lehrbetrieb. Doch ich war nicht lange dort. Bevor ich überhaupt ganz realisieren konnte, dass ich jetzt meine Lehrzeit abgeschlossen habe, startete am Montag unser Flieger Richtung Palma, Mallorca. Als Klasse hatten wir uns eine knappe Woche Abschlussreise mehr als verdient! Am zweiten Tag, als wir mit unseren Autos quer über die Insel auf Entdeckungstour gingen und der unglaublich schönen Küste entlang fuhren, realisierte auch ich es: Ich habe es geschafft, meine Lehrzeit ist gemeistert! Schon wenige Tage später hielt ich es in der Hand, mein Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis als Orthopädistin.

Sicher fragst ihr euch jetzt, was kommt danach? Mehr dazu erzähle ich euch in meinem nächsten Blog…

Geschafft!

Zufrieden, erleichtert und ein wenig erschöpft schaue ich auf den vergangenen, ereignisreichen Monat zurück.

Ende März beendete ich beim Europacupfinale und den Schweizermeisterschaften in Obersaxen meine erste Saison auf nur einem Ski. Vor dem heimischen Publikum gab ich natürlich mein Bestes und fuhr zum Schweizermeistertitel im Slalom. Wenige Tage später stand ich wieder am Start. Doch diesmal nicht auf dem Schnee, sondern in meinem Lehrbetrieb. Nach einigen schlaflosen Nächten war es endlich soweit, und ich begann mit zitternden Händen meine praktische Lehrabschlussprüfung. Nach zehn Tagen voller Konzentration und manchen Höhen und Tiefen lief mein Patient mit der von mir gefertigten Unterschenkelprothese zufrieden hin und her, und das nicht mal schlecht. Puhh, ich habe es geschafft!

Doch die grosse Last auf meinen Schultern fiel erst ab, als ich eine Woche später die Präsentation meiner Arbeit und das Fachgespräch mit den Experten hinter mich gebracht hatte. Ein unglaubliches Gefühl… Nun stecke ich sozusagen mitten zwischen den Prüfungen; den schriftlichen Teil werden wir erst Mitte Juni ablegen. Bis dahin bleibt mir noch genügend Zeit zum Lernen, sodass ich mich endlich wieder meinem Training widmen darf. Nach ein paar Tagen in Diavolezza auf dem Gletscher reise ich für die nächsten Tage nach Österreich ins Kaunertal. Immer mit dem Ziel, mich optimal auf die nächste Saison vorzubereiten.